Anfang Juli wurden in der Schweiz bereits der 15. und 16. Femizid dieses Jahres verübt[1]. Solche Tötungsdelikte stellen die extremste Form geschlechtsspezifischer Gewalt dar und verdeutlichen die Dringlichkeit wirksamer Präventions- und Sensibilisierungsmassnahmen.
Häusliche, sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt ist in der Schweiz weit verbreitet und betrifft Menschen aller Altersgruppen und gesellschaftlicher Schichten. Frauen und Kinder tragen dabei ein besonders hohes Risiko, Opfer schwerer Gewalt zu werden. Eine wirksame Prävention setzt bereits dort an, wo Machtungleichgewicht, Kontrolle und diskriminierende Verhaltensmuster entstehen. Neben ausreichender Unterstützungsangebote ist deshalb auch eine breite gesellschaftliche Sensibilisierung notwendig.
Seit dem 1. Mai 2026 ist die Opferhilfe schweizweit über die Telefonnummer 142 erreichbar. Die kostenlose Hotline bietet Betroffenen von Gewalt sowie deren Angehörigen rund um die Uhr niederschwellige, vertrauliche Beratung und Unterstützung. Geschulte Fachpersonen informieren über Handlungsmöglichkeiten und vermitteln bei Bedarf an zuständige Fachstellen. Gemäss Medienberichten wird das Angebot «stark genutzt».
Parallel dazu führt der Bund eine nationale Kampagne gegen häusliche, sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt durch[2]. Die Kampagne sensibilisiert für diverse Formen von Gewalt wie Herabsetzung, Kontrolle, Isolation oder Machtmissbrauch, ermutigt Betroffene und ihr Umfeld, über Gewalt zu sprechen, und macht auf bestehende Hilfsangebote aufmerksam.
Wir begrüssen es, dass die Stadt Kloten am 25. Juni 2026 zur Sensibilisierung die Plattform «Kloten schaut hin» in Betrieb genommen hat, auf welcher sexistische und queerfeindliche Vorfälle anonym gemeldet werden können. Angesichts der in der ganzen Schweiz anhaltend hohen Zahl an Gewaltdelikten, häuslicher Gewalt und Femiziden stellt sich die Frage, wie die Stadt Kloten diesem Problem darüber hinaus begegnet.
Wir bitten den Stadtrat daher folgende Fragen zur beantworten:
- Welche Massnahmen trifft der Stadtrat, um Gewaltdelikte und häusliche Gewalt einzudämmen und Opfer, darunter auch Kinder, zu schützen?
- Wie werden die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung im Umgang mit Betroffenen von häuslicher, sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt geschult? Wenn bisher keine spezifischen Schulungen durchgeführt werden, ist der Stadtrat bereit solche anzubieten?
- Leistet die Stadt Kloten regelmässige finanzielle Beiträge an Organisationen, die Betroffene schützen und beraten (bspw. Frauenhäuser)? Wenn ja, welche Organisationen werden unterstützt? Wenn nein, warum nicht?
- Hat der Stadtrat Massnahmen getroffen, um die nationale Kampagne «Gleichstellung verhindert Gewalt» und die neue Opferhilfe-Nummer 142 in Kloten bekannt zu machen und deren Botschaften zu verbreiten? Wenn nein, weshalb nicht?
- Wie stellt der Stadtrat sicher, dass die breite Bevölkerung und insbesondere gefährdete Personengruppen in Kloten von den Informations- und Unterstützungsangeboten erreicht werden? Über welche Kanäle wird über diese Angebote informiert?
- Sieht der Stadtrat weiteren Handlungsbedarf bei der Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt und der Bekämpfung von Femiziden? Wenn ja, welchen?
Wir bedanken uns bereits im Voraus für die Beantwortung unserer Fragen.